Superlative und persönliche Bestleistungen – ein fliegerischer Rückblick auf die Saison 2024/25

Das Jahr neigt sich dem Ende, die offizielle Saison 24/25 ist bereits seit Mitte September abgeschlossen. Höchste Zeit, um einen Schulterblick zu wagen, der die fliegerischen Highlights zusammenfasst.  

Streckenfliegen next Level

Grundsätzlich bot die vergangene Saison für Flachlandpilotinnen und -piloten zahlreiche Tage mit hohem bis sehr hohem Streckenpotenzial. Noch nie zuvor wurden in Deutschland so viele Flüge nördlich der Alpen eingereicht, die die 300-km-Marke übertrafen. Insgesamt gelang dieses Kunststück gleich sechsmal. Vier dieser Rekordflüge starteten in Knobelsdorf, einem thüringischen Gelände auf 482 Metern Höhe.

Auch unser Mitglied Sven Nissen entschied sich für ein thüringisches Startgelände, um seinen bisherigen Bestwert von 290,6 km zu übertreffen. Am 9. Mai 2025 gelang ihm vom Spielberg (östlich der Wasserkuppe) ein herausragender Flug über 303,3 km bis nach Daleiden, kurz vor der luxemburgischen Grenze – mit beeindruckenden 7:54 Stunden Airtime. Doch dabei blieb es nicht: Mit einem FAI-Dreieck von unglaublichen 154,9 km legte er eindrucksvoll nach und setzte schließlich mit einem dritten Hammerflug (231,4 km) den Schlusspunkt.

Damit sicherte er sich den ersten Platz in der Gesamtwertung des XC-Cups. Herzlichen Glückwunsch an den frisch gebackenen „Ü3Hu“ zu dieser außergewöhnlich erfolgreichen Saison!

300 km-Flug von Sven Nissen

Ort + Zeit = Weit

Selbstverständlich galt auch in der vergangenen Saison: Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, hatte die besten Chancen auf weite Flüge. Das dachte sich auch Harald Lang, als er sich am 6. Mai auf den Weg zum Kreuzberg machte und von dort eindrucksvolle 192,9 km abspulte. Tagesrekord für diesen Startplatz! Sogar die 300-km-Cracks Sven Nissen und Wolfgang Freund ließ er damit hinter sich. Respekt und herzliche Gratulation zu deinem bislang weitesten Flug!

Harald Lang 192,9 km

Die Odenwaldrunde: same, same but different

Betrachtet man die Flüge der Odenwaldrunde, entsteht der Eindruck, dass sich das Flugwetter in der vergangenen Saison insgesamt von einer besseren Seite zeigte als im Jahr zuvor. Die 100-km-Marke wurde 27-mal geknackt – rund 50 % häufiger als in der Saison 2023/24.

Ein genauerer Blick auf die tatsächlichen Flugtage mit weiten Strecken offenbart jedoch ein differenzierteres Bild: Die vergangene Saison bot lediglich einen einzigen Tag mehr, an dem Ü100-Flüge eingereicht wurden. Das vermeintlich „bessere Wetter“ war also nicht der ausschlaggebende Faktor. Vielmehr lag es an der gestiegenen Zahl von Pilotinnen und Piloten, die bei guten Bedingungen an den Start gingen.

Historischer Flug vom Ölberg

Ein Ölberg-Flug ragte in der vergangenen Saison besonders heraus – eine fliegerische Leistung von vereins­historischem Ausmaß: Das erste 100er-FAI-Dreieck vom Ölberg wurde in die Luft gezaubert. Und niemand Geringeres als Marcus Christ war es, der dieses Kapitel schrieb.

Mit 107,7 km flog er am 1. Juli 2025 auf den ersten Platz der jemals vom Ölberg erzielten FAI-Dreiecke – rund 19 km weiter als das bislang beste Ergebnis. Dreistellige FAIs über dem Odenwald wurden bislang vor allem vom Kö geflogen. Marcus’ Flug könnte somit den Beginn einer neuen Ära markieren.

Herzlichen Glückwunsch, Marcus – das war innerhalb der Odenwaldrunde ganz sicher der Flug des Jahres 2025!

Das erste jemals am Ölberg geflogene Ü-100 km FAI Dreieck – Pilot: Marcus Christ

Zwei Cracks und ein NewHu

Auch einige Gäste konnten in der vergangenen Saison von den hervorragenden Bedingungen am Ölberg profitieren. Am 24. Mai flogen Boris Kosog (181,2 km) und Jonas Prüssing (183,5 km) direkt in die All-Time-Top-10-Ergebnisse (Gleitschirm) unseres Flugbergs. Allein an diesem Tag wurden fünf Ü100-Flüge von Schriesheim aus eingereicht – ein wahrlich denkwürdiges Datum.

Für Mr. Fly wurde es zudem ein persönlicher Meilenstein: Mit seinem Artik 7P legte er 113 km zurück und sicherte sich damit verdient den Einzug in den Kreis der Ühus, nachdem er dieses Ziel acht Tage zuvor mit einem großartigen Königstuhl-Flug um nur einen Kilometer verpasst hatte.

Herzlichen Glückwunsch!

Mr. Fly 113 km vom Ölberg

Der Herr des flachen Dreiecks

Ein weiterer Flug der Superlative gelang Lukas Schmitt vom Königstuhl. Sein am 24.8. geflogenes 123,2 km flaches Dreieck ist in dieser Wertung das mit Abstand beste Ergebnis. Mit 7:21 zudem der Flug mit der längsten Airtime, die in dieser Saison von einem Startplatz der Odenwaldrunde absolviert wurde.

Größtes jemals am Königstuhl geflogenes flaches Dreieck – Pilot: Lukas Schmitt

Der Streckensieger

In der Wertungskategorie Freie-Strecke stechen in der Odenwaldrunde vor allem zwei Flüge jenseits der 200er Marke hervor. David Herrmann flog von Urphar am 22.8.2025 mit 264,1 km den weitesten Flug der Saison und zudem den All-time-Streckenrekord in diesem Fluggebiet. Wenn man sich die 2025er Bilanz dieses Piloten anschaut, überrascht es nicht, dass gerade ihm dieses denkwürdige Ergebnis von einem Startplatz mit einer Höhendifferenz von nur 130 Metern gelang.

Der Chancenverwerter und Sieger des Odenwald Cups

Der Ü-200-Flug unseres Mitglieds Jens Mitzscherlich vom 18.5.2025 ist ebenso eine herausragende Glanzleistung. Mit 211,2 km gelang Jens an diesem Tag der mit großem Abstand weiteste Flug vom Königstuhl in der vergangenen Saison. Jens, der gerne auch mal an den Start geht, während andere noch beobachtend vor Burnair ausharren, hat diese Strecke in 5:33 h absolviert, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von satten 38,36 km/h. Für einen Ozone Delta Piloten eine sportliche Pace und auch ein Zeichen dafür, dass Jens gerne bei knackigen Bedingungen unterwegs ist und diese, wie häufig schon unter Beweis gestellt, entsprechend nutzt! Mit seiner enormen Chancenverwertung flog er in der letzten Saison auf den ersten Platz des Odenwald Cups! Gratulation zu deinem ersten 200er Flug und dem insgesamt top Saisonergebnis!

Weitester Flug 2025 vom Königstuhl und erster Ü-200 von Jens Mitzscherlich

Weitere Highlights

Neben den Flügen die es in die Top-Rankings schafften, sind vor allem auch Ergebnisse erwähnenswert die persönlichen Bestleistungen von Mitgliedern markieren, deren Namen nicht ständig ganz oben in den Wertungslisten stehen. Der erste Ü100-Flug von Mr. Fly wurde vor diesem Hintergrund bereits weiter oben erwähnt. Eine tolle fliegerische Leistung hat auch Simon Wilke hingezaubert, als er am 30.4.2025 ein 85,9 km flaches Dreieck vom Königstuhl flog – gerademal 2,2 km weniger als Harald Lang an diesem Tag gelang – und das mit einem B-Schirm! Respekt! Bengt Knödler fiel mit einem schönen Flug von Erlau auf, der ihn 85,7 km in westlicher Richtung nach Schneckenhausen, nördlich von Kaiserslautern, beförderte. Auch diese Strecke wurde mit einem B-Schirm (Ozone Swift 6) absolviert. Laut DHV-XC sein bislang weitester Flug von einem Odenwaldrunde-Startplatz. Herzlichen Glückwunsch! Unter den Pilotinnen konnte erneut Valerie Schubert überzeugen. Mit 103,8 km freier Strecke vom Königstuhl absolvierte sie mit ihrem Skywalk Cumeo am 19.7. von dort den weitesten Flug des Tages. Gratulation!

Sonstige Fundstücke

Bei genauerer Betrachtung der Startplätze innerhalb der Odenwaldrunde fällt auf, dass Mosbach/Finkenhof überraschend häufig vertreten ist. Neun Flüge über die 100-km-Marke wurden von hier eingereicht – rund 30 % aller weitesten Strecken der vergangenen Saison. Fünf davon gehen auf das Konto von Martin Laible, der damit insgesamt die meisten Ü100-Flüge innerhalb der Odenwaldrunde verbuchte.

Der weiteste Flug von Erlau gelang Carlo Balser am 11.5.2025. Mit 136,9 km eine beeindruckende Leistung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass von hier in dieser Saison außer ihm nur drei weitere Piloten die 100-km-Marke überfliegen konnten (zwei Flüge von Harald Lang sowie jeweils einer von Rolf Rinklin und Lukas Schmitt).

It’s all about fun!

Sicherlich wären noch viele weitere schöne Flüge und Ergebnisse erwähnenswert, und längst nicht alle lassen sich über die Wertungsdatenbanken nachvollziehen. Zudem geht es, wie schon oft betont, in unserem Sport nicht allein um höher, schneller, weiter, sondern vor allem um den Genuss und die Freude, die wir während eines Fluges erleben.

In diesem Sinne wünsche ich allen Mitgliedern sowie allen Gastpilotinnen und -piloten am Ölberg und an den weiteren Startplätzen der Odenwaldrunde und darüber hinaus stets gute Flüge und glückliche Landungen.

Denjenigen, die in der vergangenen Saison einen negativen Vorfall oder gar eine Verletzung erlitten haben, wünsche ich gute Besserung und die Kraft, die nötige mentale Stärke zurückzugewinnen, um sich wieder entspannt in die Luft begeben zu können und es auch zu wollen.

Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Bleibt gesund!

Dirk